Luxemburg-Liebknecht-Demonstration 2016

Berlin – Heute war es wieder nass, kalt und grau in der Hauptstadt der DDR. Perfektes Wetter für den Kommunisten-Karneval aka Luxemburg-Liebknecht-(Lenin-)Demonstration. Etwa 2500 Teilnehmer zogen vom U-Bahnhof Frankfurter Tor in Friedrichshain  über die Frankfurter Allee zur „Gedenkstätte der Sozialisten“.

Von Nils Kottmann und Daniel Fallenstein.

So ethnisch homogen, so kleinbürgerlich schlecht angezogen und so alt wie das Dorffest in einer national befreiten Zone.

Jedes  Jahr marschieren Sozialisten zur Gedenkstätte auf dem Zentralfriedhof Lichtenberg, um Rote Nelken in Gedenken an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht niederzulegen.

Vom Mainstream der Linkspartei bis zur Betonfraktion „Spartakist“ ist der gesamte Blumenstrauß der Deutschen Linken aufgelaufen.

#LL2016

A post shared by Spreemilieu (@spreemilieu) on

Entlang der Strecke verkauften asiatische Blumenhändler rote Nelken und Glühwein an die Teilnehmer des antikapitalistischen Umzugs. Für einen Euro konnten die Marschierer das Kapitalverhältnis fortsetzen und das Zubehör für ein bürgerliches Trauerritual erwerben.

SONY DSC
Immigrierte Marktmacht

Abgesehen von internationalistischen Delegationen wirkte der Aufzug so ethnisch homogen, so kleinbürgerlich schlecht angezogen und so alt wie das Dorffest in einer national befreiten Zone.

Apropos Dorffest: hinter der Zielgeraden wartete eine revolutionäre Marktstraße, auf dem man sich mit haufenweise Propaganda eindecken konnte.

Generell erinnerte die Veranstaltung eher an einen Jahrmarkt, als an eine Demonstration. Nicht nur wurden sozialistische Schriften und Devotionalien an jeder Ecke angeboten, Aktivisten drückten uns jede Menge skurrile Flugblätter und Manifeste in die Hand. In denen konnten wir nachlesen, dass Ulrike Meinhof, Gudrun Ensslin und Muammar al-Gaddafi als sozialistische Märtyrer im Kampf gegen den Imperialismus seien.

SONY DSC
Hinter den Kulissen

Shirts mit dem Konterfei Karl Marx‘ hingen neben Shirts mit Sprüchen wie „Hausaufgaben gefährden die Gesundheit“. Unser bärtiger Administrator erwog den Kauf eines Marx-Shirts, das verkündete: „Wer rasiert, verliert!“

Wen der revolutionäre Kampf hungrig machte, konnte sich bei „Oma’s Kartoffelpuffer“ oder der „Schwenkbraterei“ mit Qualitätsgebratenem belohnen. Zugegeben, die Standverkäufer kennen ihre Klientel.

Sozialistischer Jahrmarkt
Sozialistischer Jahrmarkt

Zwischen allerhand linker Folklore wurden die Nelken und vereinzelten Kränze abgeworfen. Dan begann es kalt und widerlich zu regnen. Der Tag endete wie er schon abgelaufen war und wie viele Teilnehmer aussahen: Wasserleichenblass.

Ein Gedanke zu “Luxemburg-Liebknecht-Demonstration 2016

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.