Bärgida stagniert

Berlin – Die Luft ist bald raus. Inzwischen demonstrieren immer weniger Bärgida-Anhänger gegen „die Islamisierung des Abendlandes“. Und auch immer weniger Linke protestieren ihrerseits gegen die montäglichen „Abendspaziergänge“. Das zeigte sich am Montag deutlich. Kaum 100 Demonstranten versammelten sich ab 19 Uhr vor dem Berliner Hauptbahnhof. Die Menge der Gegendemonstranzten war ähnlich überschaubar. Auch die Polizei war mit deutlich weniger Kräften vor Ort, als bei vorhergegangenen Veranstaltungen. Störungen entlang der Strecke: Nur vereinzelt. So weit, so wenig nachrichtenwürdig.

Für mich ergab sich aus dieser langweiligen Routine trotzdem eine bemerkenswerte Episode. Ein offenbar angetrunkener Bärgida-Demonstrant kam bedrohlich nahe und drohte unter Beschimpfungen („Lügenpack“) mit nicht näher bestimmten Konsequenzen, falls sein Foto veröffentlicht würde. Bevor die Polizei einschritt, wurde er (ausgerechnet) von Stephan Böhlke beschwichtigt, dem Spitzenkandidaten der NPD für die Wahl zur Bezirksverordnetenversammlung in Friedrichshain-Kreuzberg. Man kenne mich. Ich gehöre zwar zur Gegenseite, aber ich würde ja „keinen Ärger machen“, so Böhlke, der auf rechten Demonstrationen von Bärgida bis NPD auch als Fotograf unterwegs ist.

Dieses Erlebnis ist alleine für sich absurd und verstörend. Es spiegelt aber auch wieder, wie sehr die Berliner Variante der Pegida stagniert. Wenn sich nicht einmal mehr die prinzipielle Feindschaft zur Lügenpresse durchhalten lässt, ist das Bewegungsmoment für die Retter des Abendlandes verloren und die Gruppierung wird in der Bedeutungslosigkeit versinken. Was den Antifas nicht gelingen wollte, schafft bald der Zahn der Zeit.


Update: In einer früheren Fassung dieses Artikels wurde Stephan Böhlke als Aktivist der rechten Kleinpartei Pro Deutschland bezeichnet.