In Kreuzberg nichts Neues

Wer „Pinky und der Brain“ kennt, braucht nicht weiter zu lesen. Die Revolutionäre 1. Mai-Demo versuchte dasselbe wie jedes Jahr: die Weltrevolution zu starten. Wie  jedes Jahr scheiterte sie daran — diesmal besonders kläglich, indem sie sich auf der Kottbusser Brücke an einer bayerischen Polizeikette zerlief. 

Aber die ganze Geschichte von Anfang an: Ein weites Bündnis von Linksautonomen hatte zur Demonstration aufgerufen, Treffpunkt war der Moritzplatz in Kreuzberg. Gekommen waren mehr als 3000 Demonstranten. Ohne, dass man es wirklich mitbekam, gaben die Lautsprecherwagen den Startschuss für die Demo und setzten sich in Bewegung. Nach fünfzig Metern legten die Demonstranten erstmal ein kleines Päuschchen ein, weil eine Gruppe von circa 200 Autonomen den von der Polizei versperrten Weg über den Oranienplatz nehmen wollten. Nach einer gefühlten Ewigkeit gönnte die Polizei den Autonomen schließlich den ersten Etappensieg der Weltrevolution und ließ sie zur Hauptdemonstration vorrücken. Wir vermuten, dass es Kalkül war, den Demonstranten mit einem Erfolgserlebnis die Revolutionsgelüste zu dämpfen.

Mit nunmehr vereinten Kräften marschierte der Demonstrationszug ohne nennenswerte Vorkommnisse durch Nebenstraßen, bis er in der Skalitzer Straße auf die Partymenge des 1. Maifests traf. Am Görlitzer Bahnhof eskalierte die Demonstration (endlich). Die Polizei nahm einen der Demonstranten in Gewahrsam und die Polzeikohorte wurde mit einem Bierflaschenhagel eingedeckt. Darauf folgten mehr Festnahmen und mehr Flaschenhagel, bis die Demonstration offiziell aufgelöst wurde. Immmer wieder wollte es scheinen, als würde die Ausschreitung beginnen. Fehlanzeige.

Ihr klägliches Ende fand die Demonstration dann auf der Kottbusser Brücke, als der große Rest der Autonomen an einer Polizeikette stoppen musste. Immer wieder griff die Staatsmacht sich vereinzelte Störer wegen Vermummung oder anderer Tatvorwürfe, während sich die Reihen immer weiter lichteten, weil Demonstranten ihr Glück woanders versuchen wollten. Vor 22 Uhr nahmen die Polizisten die Helme ab.

Die Revolution scheiterte heute Nacht an einer aus Oberfranken angerückten Polizeihundertschaft. Aber nächstes Jahr… nächstes Jahr wird alles anders!

Nils Kottmann und Daniel Fallenstein


Nachtrag: Am Rande der Demonstration kam es zu einem Übergriff.